Wohl eines der härtesten Quad-Rennen Europas

 

Dezember 2008:
Michael und ich hatten schon seit langer Zeit geplant, beim 12-Std-Quad-Rennen starten zu wollen. Till wurde als dritter Teamfahrer engagiert. Das Team Quad und Cross 1 wurde noch am ersten Tag der Nennungsfrist eingeschrieben.

 

Für Thomas, Gunther und Tobias wurde es dann sehr schnell klar, dass auch sie in Torgau am Start sein wollten. Sie schrieben sich als Team Quad und Cross 2 in die Nennungsliste ein. In den Winterferien erstellten wir eine Packliste mit allem, was denn für so ein „Marathonrennen“ vor Ort sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Liste schon mehr als 100 Positionen.

 

Das Frühjahr war dann erfüllt mit Trainingseinheiten, Verbesserungen an unseren Outlaws und der Teilnahme an verschiedensten Rennen. Keiner von uns hatte wirklich Zeit und Muße sich um all das zu kümmern, was für Torgau noch erforderlich war.

 

Anfang Mai 2009:

Schlechte Nachrichten. Mein Arzt eröffnet mir, dass ich kurzfristig ins Krankenhaus müsste, um mich einer OP zu unterziehen. Alle Verhandlungsversuche mit dem Doc (OP verschieben auf Anfang Juni oder 2 Wochen nach der OP in Torgau zu starten) scheitern.

 

Es ist somit amtlich, ich darf in Torgau nicht fahren und unser Team 1 ist gesprengt. Hektische Telefonate mit Michael folgen. Bis zum 10.05. müssen alle Fahrer- und Teamdaten endgültig beim Veranstalter gemeldet sein. Die Lösung unseres Problems liegt so nahe. Patrick erklärt sich spontan bereit, in Torgau für das Team 1 an den Start zu gehen. Noch fehlt ihm ein fahrbarer Untersatz dafür.

 

Ein kurzes Gespräch zwischen Bengt Ole und mir bringt auch hierfür die Lösung. Patrick wird auf unserer Outlaw an den Start gehen. Wir haben schnell und unkompliziert eine Lösung gefunden. Patrik hat schon beim Test am Hoopepark und unzähligen Trainingseinheiten bewiesen, dass er nicht nur auf Zweirädern sehr schnell unterwegs ist.

 

Donnerstag 14.05.2009:

Noch gute 14 Tage bis zum Rennen, die Zeit drängt. Heute treffen sich alle „Torgaufahrer“ bei Quad und Cross in Ellerbek, um alle noch offenen Punkte zu erörtern. Große Überraschung als wir bei herrlichstem Wetter um 18:00 Uhr dort eintreffen. Der Grill ist bereits angeheizt, lecker Speisen und Getränke stehen bereit. Das verspricht ein guter Abend zu werden.

 

Zunächst bewundern wir Thomas´ Umbauarbeiten am Race Trailer, die neuen Xenon-Zusatzscheinwerfer am Michaels Outlaw und überzeugen uns von der Funktionalität des neuen Dirt-Workers. Die noch zu klärenden Punkte sind relativ schnell abgehakt. Ein jeder weiß nun, was er in den verbleibenden 14 Tagen noch zu erledigen/besorgen hat. Der Abend klingt dann sehr spät und sehr gesellig aus.

 

Es folgen noch einige gemeinsame „Spätschichten“ aber es wird alles rechtzeitig fertig.

 

Donnerstag 28.05.2009:

Gegen 15:00 Uhr sollte es losgehen. Alle Beteiligten hatten in den vergangenen Tagen ihre Quads, Ersatzräder, Campingutensilien und alles, was sonst noch für so eine Veranstaltung mit muss, in Ellerbek vorbeigebracht. Die Halle bei Quad und Cross glich dadurch in den vergangenen Tagen eher einer Rumpelkammer denn einer Quadaussellung ;-)

 

Tino, Patrik und Till hatten am Donnerstagvormittag die undankbare Aufgabe diese Unmenge an Quads, Material und Utensilien auf den LKW und dem Renntrailer zu verstauen. Als ich gegen 14:30 Uhr dort ankam, war alles bereits fertig verladen. Dennoch sollte es bis 16:00 Uhr dauern, bis alle Kleinigkeiten erledigt waren und wir abfahren konnten. Bedingt durch den Hamburger Feierabendverkehr und eine knüppelvolle A 24 sollte es bis zu unserem Eintreffen an der Rennstrecke nach 22:00 Uhr sein.

 

Auf den Besucherparkplätzen vor der Rennstrecke bezogen wir unser erstes Nachtlager. Wir waren kaum angekommen, und noch dabei die Zelte aufzubauen, als uns unsere „Catering-Engel“ Anke und Irini schon ein hervorragendes Nachtmahl bereitet hatten.

 

Freitag 29.05.2009:

Nach ausgiebigem Frühstück durften wir dann ab 10:00 Uhr auf das Gelände der Rennstrecke (ein ehemaliges Kasernengelände/Truppenübungsplatz). Gunther, Tobi und ich hatten die Aufgabe, uns einen guten Platz in der Wechselzone zu sichern und die Box einzurichten. Wir drei waren zu Fuß aufs Gelände gegangen und hatten so die lange Schlange der wartenden Renntransporter und Wohnmobile umgangen. Als allererste an der Wechselzone angekommen, konnten wir uns den besten Platz aussuchen. Wir standen unmittelbar an der Ausfahrt von der Wechselzone auf die Rennstrecke und hatten so freien Blick auf einen Teil des Race-Tracks.

 

Die anderen Teammitglieder hatten alle Hände voll zu tun, die „Wagenburg“ im Fahrerlager aufzubauen, Quads und Equipment auszuladen und auf Box/Wechselzone und Fahrerlager zu verteilen. So dauerte es bis zum frühen Nachmittag bis alles soweit geregelt war, dass wir zur Streckenbegehung aufbrechen wollten. Unser Catering-Team hatte wieder gezaubert und versorgte uns vor dem Abmarsch auf die Strecke mit einem hervorragenden Mittagsmahl.

 

Wohl gesättigt und voller Optimismus brachen wir auf, um die Strecke abzugehen. Der erste Kilometer der Rennstrecke begeisterte uns alle. Teile der sehr breiten MX Strecke und wundervolle Enduro-Passagen versprachen puren Fahrspaß.

 

Doch dann kam es „knüppeldick“:

  • Wälle aus Stahlbetonabbruch mit herausstehenden Armierungsstählen an den Kurvenaußenseiten.
  • Nahezu senkrechte Steilabfahrten von etwa 6 m Höhe. Von oben konnte man diese nur spitzwinklig anfahren und am unteren Teil grenzten sie unmittelbar an einem Zaun mit Betonpfosten.
  • Steilauffahrten die so schmal waren, dass sie für ein Quad unpassierbar erschienen.
  • Waldpassagen mit knie- bis hüfthohem Bewuchs aus Brom- und Himbeeren und darin versteckten Baumstümpfen in unterschiedlichster Höhe.
  • Schützengräben und Schützenlöcher mitten in der Strecke, die nur notdürftig mit Baumstämmen verfüllt waren.

 

Später erfuhren wir, dass die Strecke wohl von einem Motocrosser abgesteckt wurde, der keinerlei Quaderfahrung hat. All dieses sorgte dann doch für erhebliche Sorgenfalten in den Gesichtern unserer Teamfahrer. Einzig Patrick war restlos begeistert und kommentierte dieses mit dem Ausspruch „was für eine geile Strecke“ :D Zumindest war allen Fahrern bewusst, dass diese Strecke einem wirklich alles abverlangen würde.

 

Nach der Streckenbegehung mussten die Quads zur technischen Abnahme. Hier moserten dann einige der Fahrer der anderen Teams sehr heftig über die Streckenführung. Daraufhin wurde die Strecke seitens der Rennleitung in einigen Teilbereichen ein wenig „entschärft“. Kaum zurück von der Technischen Abnahme überraschten uns Anke und Irini mit einem äußerst schmackhaften Abendessen.

 

Nach dem Essen zogen sich unsere Teamfahrer in die Wohnmobile/Zelte zurück, um noch ein wenig zu ruhen, die Nerven zu beruhigen und vorzuschlafen. Die anderen beschäftigten sich damit, die Outlaws ein letztes Mal zu prüfen und sie dann in die Wechselzone zu fahren. Die Box wurde eingerichtet und das Fahrerlager fertig für die Renn-Nacht gemacht.

 

Um 23:00 Uhr erfolgte dann die Fahrerbesprechung auf der dann u.a. verkündet wurde, das es aus Sicherheitsgründen eine Einführungsrunde hinter dem „Safety-Quad“ geben würde. Dann sollte ein fliegender Start erfolgen. Diese Vorgehensweise erfuhr allgemein breite Zustimmung. Die Fahrer waren der Hoffnung, dass sich der Bewuchs zwischen den Baumstümpfen im Wald schon in der Einführungsrunde runterfahren würde.

 

Freitag 30.05.2009:


0:00 Uhr, Vorstart hinter dem Safety-Quad. Was für ein unglaubliches Szenario, wenn in tiefster Dunkelheit gleichzeitig 60 Quads angeworfen werden und sich in Bewegung setzen. Das war „Gänsehautfeeling“ pur.

 

Das Startprocedere der Rennleitung erwies sich auch als genau richtig. Zumindest die Startfahrer der Teams konnten die Strecke noch vor der ersten „echten“ Rennrunde noch einmal „erfahren“. Auch die Baumstümpfe waren schon nach der Einführungsrunde deutlich zu erkennen und verloren so einiges an Schrecken. Die ersten beiden Rennstunden liefen nicht wirklich gut für uns.

 

Michael sammelte sich schon in seiner zweiten Rennrunde einen Ast von der Strecke auf. Dieser gelangte in die Kette, sorgte dafür dass diese ablief und die Kettenradabdeckung zerstörte.

Leider streikte ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt unser Boxenfunk. Somit war Michael mitten im Wald und bei absoluter Dunkelheit ganz auf sich allein gestellt. Er schaffte es, die Kette wieder aufzulegen und die Kettenradabdeckung wieder so hinzudengeln, dass ein Weiterfahren möglich war. Eine Runde später, wiederrum mitten im Wald, verweigerte nun sein 525er –KTM den Dienst und ließ sich nicht wieder starten.

 

Somit musste Michael den Weg zurück nun zu Fuß antreten. Doch wo war in dieser stockdunklen Nacht, der kürzeste Weg zurück zu finden? Der Transponder musste schnellstens zurück an die Box, damit ein anderer Teamfahrer wieder ins Renngeschehen eingreifen konnte. Gottseidank befand sich ein Streckenposten in der Nähe, der den Weg beschreiben konnte.

 

Wer selbst einmal in Cross-Stiefeln und voller Montur ein längeres Stück in unwegsamen Gelände zu Fuß unterwegs war, mag nachvollziehen können, wie es Michael ging, als er in der Box eintraf. Patrick wartete bereits fahrfertig und mit laufendem Motor auf der Outlaw sitzend, übernahm den Transponder und fuhr sofort wieder auf die Strecke.

 

Michael und ich machten uns, mit Powerpack und einigem Werkzeug bewaffnet, gleich wieder auf den Weg zu seiner Outlaw. Erfreulicherweise gelang es uns gleich beim ersten Versuch, sein Quad im dunklen Wald wiederzufinden und den 525er-KTM wieder zum Leben zu erwecken.

 

Kaum war ich (zu Fuß) wieder an der Box angelangt, erreichte uns die nächste Hiobsbotschaft: Eine Fahrerin vom Shadow-Mover-Racing-Team kam an unsere Box gelaufen und berichtete, dass Tobias am entlegensten Ende der Strecke stehengeblieben war. Till, inzwischen für unser Team 1 auf der Strecke, wurde über Boxenfunk unterrichtet, die Augen nach Tobias aufzusperren und - wenn möglich - die Probleme an der Outlaw herauszufinden.

 

Inzwischen waren in der Box die Reparaturarbeiten an Michaels Outlaw begonnen worden. Der Schaden erwies sich, bei Licht betrachtet, dann doch als erheblich größer als erwartet. Die ablaufende Kette oder der aufgesammelte Ast hatten zusätzlich auch noch den Faltenbalg der IRS zerfetzt. Die Quad und Cross Mannschaft hatte beim Zusammenstellen der Ersatzteile, die mit nach Torgau genommen wurden, wirklich ganze Arbeit geleistet. Alle für diese Reparatur benötigten Teile waren nach einem Griff in die Ersatzteilkisten sofort zur Hand. Unser Chefmechaniker, Tino, machte sich umgehend daran, diesen doch recht aufwändigen Schaden wieder instandzusetzen.

 


Hierbei erhielten wir tatkräftige Unterstützung von Rüdiger (MX-Team Comic) und einem Mechaniker vom Polaris-Händler ASS (Allrad-Service Schneider). Die beiden haben, unkompliziert und ungefragt, die „Ärmel aufgekrempelt“, um Tino bei der Reparatur zu unterstützen.

 

DANKE an Euch für Eure Hilfe.

 

Zurück zu Tobias, der immer noch „stehend“ im Wald wartete: Till war zurück an der Box und konnte mir sehr präzise beschreiben, wo Tobias sich auf der Strecke befand. Die Strecke in Torgau war wohl gute 10 km lang und führte über den MX-Track, durch den Truppenübungsplatz und durch angrenzende Wälder.

 

Tobias war mitten im Wald auf dem Truppenübungsplatz ausgefallen. Ich schnappte mir erneut den Powerpack und fuhr mit unserer „Gehhilfe“ (Kawasaki 300er Halbautomatik-Quad) los, um Tobias zu bergen. Die ersten 2 km konnte ich fahren, dann ging es zu Fuß weiter. Zunächst musste ich über einen Hundeübungsplatz –hoffentlich trainiert hier nachts um zwei niemand seine Pitbulls, schoss es mit noch durch den Kopf ;-) -, dann ging es ab in den Wald.

 

Stockdunkle Nacht, kniehohes Brombeergestrüpp mit eingewachsenen Drahtresten, ausgehobene Schützengräben und –löcher erschwerten das Fortkommen doch ungemein. Endlich hatte ich die Strecke erreicht. In einem ruhigen Augenblick (als gerade mal kein Quad an mir vorbeidonnerte) schrie ich aus Leibeskräften nach Tobi, um eine grobe „Peilung“ zu bekommen, wo Tobias sich befand. Leider hörte er mich nicht.

 

Rechtsrum oder linksrum der Strecke folgen, war nun die Frage. Ich entschied mich für rechts. Solange sich kein Quad näherte, kam man einigermaßen zügig auf der Strecke voran. Nach kurzer Zeit traf ich auf eine Gruppe von 4 Personen. Leider konnten auch sie mir nicht sagen, wo sich Tobias befand. Sie hatten Ihren Teamfahrer dabei der mit seiner Gas-Gas liegengeblieben war und konnten Ihr Quad auch nicht finden.

 

Dann sah ich einen Lichtschein kurz oberhalb des Erdbodens…Tobi? Leider nein, ein Fahrer der im dichten Brombeergestrüpp nach seinem verlorenen Zündschlüssel suchte. Gottseidank konnte er mir sagen, wo Tobi mit seiner Outlaw stand.

 

Ich war dort, wo ich auf die Strecke gekommen war, leider in die falsche Richtung abgebogen. Ich hätte links gehen müssen. Also zurück, nun kamen mir die Rennquads von vorne entgegen. Durch die herannahenden Lichtkegel hatte ich es leichter, rechtzeitig von der Strecke zu springen, wenn sich ein Fahrzeug näherte. Bei Tobias angekommen, überbrückten wir seine Outlaw mit dem mitgeschleppten Powerpack. Aber auch mit dieser zusätzlichen Energieversorgung war nur das „Klacken“ des Anlasser-Relais zu hören und der Motor wollte weiterhin nicht starten.

 

Problem per Funk an die Box durchgegeben damit „AC-Kellinghusen“ sich schon startbereit machen konnte. Tobi und ich sind dann in „gefühlter“ Rekordzeit durch den unwegsamen und mit Hindernissen gespickten Wald zurück an die Straße. Unsere hier abgestellte Kawa-Gehhilfe haben wir auch sofort wiedergefunden.

 

Zurück an der Box wurde der Transponder an Thomas übergeben, der sofort startete. Die Beratungen begannen, wie wir mit Tobias‘ Outlaw weiter verfahren wollen. Die Reparaturarbeiten an der IRS der anderen Outlaw waren noch lange nicht abgeschlossen. Somit war unser Chefmechaniker, Tino, in der Box nicht abkömmlich.

 

Till griff in die Ersatzteilkisten und „zauberte“ eine neue Batterie hervor. Tobias und ich wollten versuchen, im Wald, die Batterie zu ersetzen und seine Outlaw so zum Laufen zu bekommen. Zurück an der Strecke angekommen, ersetzten wir dann die Fahrzeugbatterie. Eigentlich ein „Kinderspiel“. In stockdunkler Nacht, mitten in den Brombeeren kniend und die anderen Fahrer im Rennspeed - keinen Meter entfernt - vorbeidonnernd, war das dann doch nicht das pure Vergnügen.

Aber der Aufwand hatte sich gelohnt. Mit neuer Batterie ausgestattet nahm der 525er-KTM seinen Dienst auf, als wenn nie etwas gewesen wäre.

 

Somit hatte dann unser Team 2 wieder alle Outlaws einsatzbereit.

 

Währenddessen hatten die Mechaniker an unserer Box die Arbeiten an Michaels IRS nahezu abgeschlossen. Mir ist es immer noch ein absolutes Rätsel, wie sie es in dieser Rekordzeit schaffen konnten.

 

Die Nacht an der Box war, auch durch den schneidenden Wind, bitterkalt. Wir achteten sehr darauf, unsere Fahrer, wenn sie nach Ihrem Stint wieder in die Box zurückkamen, sofort mit Jacke und Mütze zu versorgen. Zusätzlich wurden sie bei längeren Fahrpausen dick in Schlafsäcke und Decken eingepackt. So verhinderten wir, dass sie völlig ausgekühlt wieder auf die Strecke mussten.

 

Gegen 3:45 Uhr bekamen wir unerwarteten und ungebetenen Besuch in unserer Box. Eine Can-Am DS 650 hatte auf dem Table neben unserer Box ihren Fahrer abgeworfen, sich mehrfach überschlagen und kam schließlich in unserer Box zum stehen. Gottseidank war niemandem etwas passiert (genau an dieser Stelle standen eigentlich während des ganzen Rennens Zuschauer). Nach kurzem Check stieg der Pilot wieder auf und fuhr unbeeindruckt weiter.

 


Als gegen 4:00 Uhr begann wieder hell zu werden, hatte auch unser Team 1 wieder alle Outlaws einsatzbereit. Wir lagen zu diesem Zeitpunkt - bedingt durch die Ausfälle - auf Platz 19 und 21 im Klassement. In dieser Nacht sorgte unsere Catering-Crew pausenlos für die allerbeste Versorgung. Es gab ständig Bananen, Snacks, Obst, frischen Kaffee, Säfte und isotonische Getränke.

 

So gestärkt und mit vollem Elan, weil alle Outlaws wieder hervorragend funktionierten, starteten unsere Teamfahrer eine furiose Aufholjagd. Die Sichtverhältnisse wurden mit fortschreitender Dämmerung immer besser und beflügelten unsere Fahrer zusätzlich. Zu diesem Zeitpunkt und auch im weiteren Verlauf des Vormittags konnten sich unsere Rundenzeiten durchaus neben denen der Top Teams sehen lassen.

 

An unserer Box wurde es nun deutlich ruhiger und es stellte sich eine gewisse Routine ein: Strecke beobachten und zählen, wie viele Runden unsere einzelnen Fahrer in jedem Stint schon gefahren hatten. Eine in der Box stehende Outlaw für den nächsten Fahrer bereit machen (tanken, Ölstand- und Luftdruckcheck, Kühler und Luftfilter reinigen, Kettenspannung und Bremsbeläge checken etc.). Nächstem Fahrer Bescheid geben, wann er wieder dran ist. Regelmäßige Gänge zu den Monitoren am Baboons-Race-Truck, um Rundenzeiten und Zwischenstände zu prüfen.

 

Natürlich ließen auch wir es uns nicht nehmen, die befreundeten Teams - und auch die Teams der Nachbarboxen - mit Material und Werkzeug zu unterstützen, wenn sie Probleme hatten. Auch die Zwischenstände und Rundenzeiten wurden für andere „mitgebracht“, wenn jemand von uns diese vom Race-Truck geholt hatte. Ich war wirklich erstaunt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teams in der Boxengasse geklappt hat.

 

Gegen 8:00 Uhr dann die nächste Überraschung durch unsere Catering-Engel Anke und Irini: Frisch gebackene und leckere belegte Brötchen und dampfenden Kaffee.

 

Unsere Teamfahrer fuhren nun wie „entfesselt“:

 

Gunther hat auf einem seiner Stints bestimmt 5 oder 6 Runden am Stück gefahren…wir haben Ihn dann irgendwann herausgewunken, was sich auch als richtige Entscheidung herausstellte. In seinem Tank befand sich zu diesem Zeitpunkt nur noch eine winzige „Pfütze“ an Kraftstoff. Till kam bei einem seiner Stints erst wieder an die Box, als er seinen kompletten Trinkrucksack ausgetrunken hatte. Sein Kommentar als er wieder an die Box kam: „Wenn mein Mund nicht so trocken gewesen wäre, hätte ich noch mindestens eine Stunde fahren wollen“ :D

 

Tobias hatte ein Stündchen schlafend auf dem Feldbett in der Box verbracht, wachte auf und war so voller neuer Energie, dass er sofort wieder auf die Strecke wollte. Beim nächsten Wechsel ging er für unser Team 2 auf die Strecke und fuhr eine persönliche Bestzeit nach der anderen. Michael ließ es auf der Strecke nun „richtig krachen“. Einfach genial, ihm bei seinen Überholmanövern zuzusehen. Klasse auch der Sound seines 525er-KTM mit der CRD- Anlage, wenn er im spektakulärem Drift durch die Haarnadelkurve an der Box kam.

 

Thomas überraschte mich am meisten. Hatte er doch einen extrem langen und kraftraubenden zweiten Stint (als die Outlaw von Tobias und Gunther im Wald liegengeblieben war) fahren müssen und sollte somit eigentlich längst am Ende seiner Kräfte sein. Dennoch fuhr er - völlig unbeeindruckt - eine schnelle Runde nach der anderen.

 

Patrik, Mister unauffällig: Wie kann man nur so unspektakulär sowie materialschonend fahren und dabei so sensationelle Rundezeiten hinlegen. Das würde ich gerne selbst können! Jedesmal wenn Patrick zurück an die Box kam, hatten sich unsere Durchschnitts-Rundenzeiten erheblich verbessert.

 

Die Outlaws liefen wie Schweizer Uhrwerke. Von Stunde zu Stunde verbesserten sich unsere beiden Teams in der Gesamtwertung. Unsere Fahrer hätten nach den ganzen Stunden im Rennstress eigentlich völlig entkräftet sein müssen. Keiner zeigte irgendwelche Ermüdungserscheinungen und war voller Elan, wenn er wieder auf die Strecke sollte. Inzwischen waren wir dazu übergegangen, dass jeder Fahrer jeweils für zwei Runden auf den Track ging, um dann wieder zu wechseln.

 

Das ganze Team arbeitete hervorragend zusammen. In den 12 Rennstunden ist es nicht einmal vorgekommen, dass zwei Teamfahrer gleichzeitig zum Wechseln an die Box gekommen sind. Bei jedem Wechsel war der folgende Fahrer schon auf seiner Outlaw (mit laufendem Motor) bereit. Es musste nur der Transponder übergeben werden und los ging es auf die Strecke.

 


Die letzte Rennstunde nahte und für unsere beiden Teams war noch einiges „zu holen“ aber auch zu verlieren. Die Teams von Platz 11 bis zu Platz 19 lagen alle Teams noch in einer Runde der Gesamtwertung. Die anderen Teams fuhren nun „mit dem Messer zwischen den Zähnen“. U.a. gab es einen Haufen Ermahnungen wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse. Hier war Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben. Unsere Box lag unmittelbar an der Ausfahrt zur Strecke. Viele Fahrer der anderen Teams kamen dann mit gefühlten“ 40-50 km/h an unserer Box vorbeigeflogen.

 

Also mussten wir nun unsere Wechselstrategie überdenken, um die letzte Rennstunde möglichst effektiv zu gestalten. Unser Team 1 hatte sich mit dem Team-Roadrunner stundenlang einen packenden Zweikampf um Platz 12 geliefert. Nach 10 gefahrenen Rennstunden trennte die Winzigkeit von weniger als drei Zehntelsekunden diese beiden Teams.

 

Keiner unserer Fahrer wollte noch mehr als 2 Runden am Stück fahren. Also begann das Rechnen. Die Rechnung schien perfekt aufzugehen. Jeder Team-Fahrer sollte noch 2 Runden fahren. Thomas und Patrik würden dann nach Ihren 2 Runden, um 12:02 und 12:04 die Ziellinie überqueren.

 

Um 12.00 sollte das Rennen beendet werden. Was wir nicht wussten: Baboons als Veranstalter hatte beschlossen hatte das Rennen erst nach dem Passieren des Rundenführenden abzuwinken. Somit mussten unsere beiden Zielfahrer dann doch noch jeweils eine Runde dranhängen. Aber unser Plan war dennoch aufgegangen.

 

Unser Team Quad und Cross 1 (Michael, Till und Patrik) hatte dem Team-Roadrunner in der letzten Rennstunde noch ganze 10 Minuten „abgenommen“ und sicherte sich somit den 12. Platz. Das Team Quad und Cross 2 (Thomas, Gunther und Tobias) schafften das Nicht-mehr-für möglich-Gehaltene. Sie verdrängten in den letzten Rennminuten das Team-Trio Infernale noch von Platz 15.

 

Nach der Zieldurchfahrt gab es glückliche Gesichter bei allen Beteiligten. Wir hatten es geschafft. Angekommen, 12 Stunden durchgefahren, mit heilen Knochen und ohne größere Schäden an den Outlaws ins Ziel gekommen.

 

 

Gemeinsam ging es ins Fahrerlager und für die Fahrer erst mal raus aus den Crossklamotten. Was für eine Wohltat nach nunmehr über 14 Stunden, die Füße aus den Cross-Stiefeln zu befreien. Der Grill war bereits angeheizt, das eine und andere Pils wurde geleert. Beim leckeren Essen wurden das Rennen und die persönlichen Erlebnisse durchgesprochen. Wir sind uns sicher: So viel Spaß und ein so ein grandioses Gemeinschaftsgefühl hat bestimmt kein anderes Racing-Team.

 

Die Zeit drängte, wir wollten um 14:45 Uhr bei der Siegerehrung sein. Das schafften wir auch gerade eben noch so. Die Siegerehrung war in diesem Jahr von Baboons hervorragend organisiert. Es gab tolle Pokale/Erinnerungsstücke für unsere beiden Teams.

 

Nach der Siegerehrung haben wir uns dann noch den Start und die beiden ersten Runden des Cross-Rennens angesehen. Beeindruckend, was die Jungs da mit ihren Zweirädern gezeigt haben. Danach machten sich Michael und Uwe sowie Till und ich uns gleich ans packen. Mussten wir doch - aus verschiedensten Gründen - heute noch nach Hause fahren. Der Heimweg war dann doch recht anstrengend.Schließlich hatten wir alle mindestens 36 Stunden fast oder gänzlich ohne Schlaf verbracht. Gegen 23:00 Uhr waren wir endlich wohlbehalten zurück.

 

Der Rest des Teams blieb noch bis Sonntag Mittag vor Ort, um sich auszuschlafen und unser ganzes Equipment wieder zu verladen. Inzwischen sind alle wohlbehalten daheim und um eine fantastische Erfahrung reicher.

 

Ich denke, dass unsere Teamfahrer extrem stolz auf das Erreichte sein können. Bei dieser internationalen Konkurrenz (es waren Teams aus Tschechien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und aus Großbritannien am Start), als reines Amateurteam, diese Platzierungen herauszufahren, verdient Hochachtung.

 

Ein riesiges Dankeschön möchte ich an Anke und Irini (unsere Catering-Engel) loswerden. Was Ihr beiden für uns geleistet habt, ist einfach großartig. „Ohne Mampf kein Kampf“, dank Eurer großartigen Verpflegung haben alle ihr absolutes Maximum geben können.

 

Danke an Tino unseren Chefmechaniker. Dass Du Deine eigene Geburtstagsfeier absagst, um das Team in Torgau zu unterstützen, ist schon bewundernswert. Dein unermüdliches Wirken, Tag und Nacht im Dienste des Teams, hat diese Platzierungen erst möglich gemacht.

 

Danke an Uwe, unseren Rennkameramann. Immer da, wenn man gerade eine helfende Hand benötigt. Ich bin sehr gespannt auf Deine Bilder. Was Du zusätzlich noch nachts an der Box geleistet hast, war hervorragend.

 

Im Namen aller Fahrer möchte ich mich sehr bei der Firma Quad und Cross, besonders bei Jörg Heidenreich bedanken. Was sich da in den vergangenen sieben Monaten mit eurem/unserem Racing Team entwickelt hat ist wirklich großartig.

Wir alle fühlen uns sehr gut aufgehoben und betreut. Wie gut das Team schon zusammengewachsen ist, und dass jeder für den anderen da ist, haben die letzten Tage eindrucksvoll gezeigt. Danke für den Support, wir alle hoffen, dass unser gemeinsamer Weg noch lange weiterführt.

 

Bericht: André Scheffler